NEAR FUTURE SHORT STORIES

von

Roman Schleifer

Der letzte Tag

Mit einem Vorwort von

PERRY RHODAN-Autor Uwe Anton

Nr. 1 in den Amazon-Kindle-Kategorien

»Bestseller in Science Fiction Kurzgeschichten« und

»Bestseller in Science Fiction Anthologien«

20. bis 21. Mai 2026

Das Update

Mit einem Vorwort von

Spiegel-Bestseller-Autor Andreas Eschbach

Sechzig Minuten

Mit einem Nachwort von

Spiegel-Bestseller-Autor Andreas Gruber

Der Sündenfall

Mit einem Nachwort von

MMag. Dr. Werner Mach

Wahre Freiheit

Erscheinungstermin 05.06.2026

Mit einem Vorwort von

Literaturpreisträger Clemens J. Setz

Erscheinungstermin 01.07.2026

Deutschland 2063

Impressum
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Medieninhaber und Herausgeber:
Roman Schleifer
Eipeldauerstr. 40/52/14
1220 Wien
Österreich
Kontakt:
E-Mail: [email protected]
Berufsbezeichnung: Autor / Schriftsteller (Neue Selbstständige)Grundlegende Richtung der Website (Blattlinie):
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Seine erste SF-Kurzgeschichte schrieb der in Wien geborene Autor Roman Schleifer bereits mit 16 Jahren: »Noch auf einer mechanischen Schreibmaschine«, erinnert er sich, »und sie wurde auch prompt veröffentlicht.«Zuvor hatte ihn sein Nachbar im Alter von zwölf Jahren mit dem PERRY RHODAN-Virus infiziert, als er ihm die Silberbände 1, 2, 4 und 6 zum Geburtstag schenkte. »Bereits nach den ersten Seiten von ›Die Dritte Macht‹ zog mich die Geschichte um Perry Rhodan, Reginald Bull und den restlichen Terranern in den Bann – mein Weg in die Science-Fiction war geebnet.«Nach dem Studium unzähliger Schreibratgeber und dem Besuch von Schreibseminaren gelang ihm 2008 mit seiner ersten Story zur PERRY RHODAN-Kurzgeschichten-Serie Stellaris der Sprung ins Profilager. Es folgten weitere Beiträge zum RHODAN-Kosmos, unter anderem für die PR-Miniserien und PR-Neo.
Der Liebe zu Kurzgeschichten blieb er dabei stets treu und so steuerte er mit bislang 16 Erzählungen die meisten Beiträge zur PR-Serie »Stellaris« bei.
Abseits des PERRY RHODAN-Universums veröffentlichte er Kurzgeschichten in renommierten Magazinen wie »Exodus« und der »c’t«. Zudem engagiert er sich als Organisator und Moderator des PERRY RHODAN-Online-Abends sowie verschiedener RHODAN-Cons in seiner Heimatstadt Wien.Mit seiner »Tomorrow’s Reality«-Kurzgeschichten-Serie begibt er sich nun auf das Terrain der Near-Future-Stories. Er beleuchtet darin jene Entwicklungen, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auf uns zukommen oder schon heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Dabei analysiert er die Auswirkungen – positiv wie negativ – und wirft in seinen Geschichten Fragen auf, die nachwirken.Für Roman Schleifer ist Science-Fiction dabei mehr als nur technologische Spielerei. Er nutzt sie als Gedankenexperiment, das die menschliche Natur unter dem Eindruck ständiger Veränderungen und Neuerungen untersucht. Dabei konzentriert er sich auf jene Dilemmata, die solche Umbrüche auslösen können.

Bibliografie und weitere Infos über Roman Schleifer unter:

Leseprobe - Der letzte Tag

Gegenwart
Mars, 14. August 2050

»Sauerstoffvorrat bei siebzehn Prozent. Letale Grenze in zwei Stunden, acht Minuten und siebzehn Sekunden erreicht!«
Sarah Dearing schob mit einem Blinzeln die visuelle Warnmitteilung an der Helminnenseite aus dem Blickfeld. Die Stimme der Anzug-KI erstarb und machte dem konstanten Wummern des Marswindes Platz.
So endet es also, dachte sie wehmütig. Die Besiedlung des Mars, den die Medien hochtrabend als die Neue Wiege der Menschheit bezeichnet hatten, war gescheitert. Statt einer Zivilisation waren Gräber geblieben, die der rostrote Sand verschlungen hatte. Noch stemmten sich die oberen Teile zweier sturer Kreuze gegen das Vergessen, die anderen waren längst von Marsstürmen fortgerissen worden.
Sarah verdrängte die Gedanken an die Toten und blickte von der Anhöhe hinab ins Tal. Sie wollte mit der Erinnerung an die endlose Weite und dem Gefühl abtreten, es geschafft zu haben. Sie hatte die Menschheit zum Mars geführt und sich damit zum ersten Mal wirklich frei gefühlt.
Einmal noch die volle Dosis!
Sie drehte das Außenmikrofon auf und hörte erst mal nichts. Durch die dünne Atmosphäre versiegte der Schall nach wenigen Metern, also half die Anzug-KI nach.
Pimp my wind, ging ihr in einem Anflug von Galgenhumor durch den Kopf, während der Wind in ihren Ohren dröhnte und ihr computerverstärkt ein Abschiedslied spielte, bevor er über die Felskante hinab ins Tal stürzte. Sogar ein Sandteufelchen hatte sich eingefunden und flitzte Pirouetten drehend über die Wüste unterhalb des Felsenhügels.
Sarah nickte anerkennend. Der Mars ließ sich zum Abschied nicht lumpen, gab alles her, was er aufzubieten hatte. Sogar ein Sandsturm war im Osten am Horizont aufgezogen und winkte ihr mit zarten Blitzen zu. Es sah aus, als würden altersschwache Leuchtstoffröhren an- und wieder ausgeknipst.
Stürme aus dem Westen waren ein anderes Kaliber, denn sie verhinderten wochenlang jeden Außeneinsatz und hätten ihrem letzten Weg einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Doch solche Sandstürme würden sie nie wieder einschränken. Sie würden nur irgendwann die zum Teil demontierte Rakete zu Fall bringen und samt dem Habitat begraben. An der Oberfläche würde dann nichts mehr auf die ehemalige Existenz von Menschen auf dem Mars hinweisen.
Das Ende so vieler Träume.
Sarah atmete schwer. Der Sauerstoff schien früher verbraucht zu sein, als es die KI berechnet hatte.
Habe ich versagt? Hätte ich mich als Kommandantin anders verhalten sollen?
Nachdenklich kickte sie einen der unzähligen Steine über die Kante. Mit jedem Meter, den er abwärts fiel, eilten ihre Gedanken tiefer in die Vergangenheit ...

Vergangenheit
Mars 4. März 2038

Mit voller Wucht trat Sarah Dearing die Steigeisen in das Eis und prüfte trotz des Sicherungsseils ihren Stand in luftiger Höhe. Staub wirbelte auf, verharrte kurz in der dünnen Marsluft und sank schließlich gemächlich in Richtung des Höhlenbodens. Ohne die Kaverne mit der meterdicken und kilometerlangen Eisader wäre die Marsmission gescheitert, denn seit dem ersten Tag versorgte das Eis die Station mit dem nötigen Wasser.
Zusätzlich zu der halbstationären, automatischen Abbaueinheit hatte die Crew vor einem Monat entschieden, in Zweierteams ebenfalls Eis zu »ernten«.
Ein paar Meter neben ihr rammte Yannick Guerin die Steigeisen mit solcher Wucht ins Eis, dass Sarah hellhörig wurde. Seit einigen Tagen versuchte der Franzose, aus der monatelangen Routine auszubrechen. Im Habitat zettelte der Missionsspezialist für Daten und Navigation ständig Streit an, und bei den Außeneinsätzen riskierte er mehr als nötig. Auch jetzt stand er garantiert absichtlich zu nah an der Abbruchkante der Eisader, hinter der es dreihundert Meter in die Tiefe ging. Noch tolerierte Sarah sein Verhalten, aber ihre Geduld und Rücksicht würde bald enden.
»Yannick, alles in Ordnung?«
Der Ingenieur griff zur lanzenartigen Eisfräse und drehte sich zu ihr. »Ja!« Es klang gepresst.
»Sag schon!« Sarah folgte ihrem Instinkt. Einmal musste sie sein Verhalten ja ansprechen, also wieso nicht bei dem gemeinsamen Einsatz. »Was ist los?«
Yannick setzte die Fräse auf das Eis und stützte sich darauf ab. »Mir geht das alles auf die Eier.« Wie immer betonte er das letzte Wort des Satzes. Typisch für seine Sturheit hielt er an der französischen, singenden Sprachmelodie fest, weil er sich sprachlich nicht unterordnen wollte. Er war und blieb ein kleiner Revoluzzer. »Merde, jeden Tag der gleiche eintönige Scheiß.«
Sarah verstand ihn. Vier Monate nach der Landung war die erste Euphorie verflogen. Das Leben auf dem Mars war eine stupide und harte Angelegenheit. Das Ziel – Errichtung der Basis für die in zwei Jahren nachkommenden Siedler – erfüllte ihre Kameraden mit immer weniger Genugtuung. Im Vergleich zur historischen Landung war es … ja, einfach alltäglich.
»Third Quarter Phenomenon?«, fragte sie.
»Vermutlich.«
Es war ihm hörbar peinlich. Er, der Revoluzzer, Abenteurer und Querdenker, durfte keine Schwäche zeigen. Doch wegen ihrer Empathie war sie als Kommandantin ausgewählt worden. Militärischer Drill in allen Ehren, aber für eine vierjährige Mission brauchte man Fingerspitzengefühl, hatten die Wissenschaftler gesagt. Und bislang hatten sie recht behalten. Auf dem Hinflug war es ihr immer wieder gelungen, den Druck in der Mannschaft entweder klein zu halten oder aufzulösen.
»Sei nicht so streng mit dir. Die Psychologen haben uns das prophezeit: In isolierten Langzeitmissionen verschlechtert sich die Stimmung im dritten Viertel«, zitierte sie einen der Eierköpfe. »Jeden von uns hat der Frust über die Eintönigkeit der Arbeit schon erwischt – du bist der Letzte.«
»Schwacher Trost«, antwortete er mürrisch.
»Hey, ich habe eine Urkunde im Habitat für dich vorbereitet! Longest time away from earth without depression.«
Er hielt inne und drehte sich zu ihr. »Hat die Urkunde einen Goldrand?«
»Selbstverständlich. Und sie ist mit Marssand verziert.«
»Und eine Torte samt Kerzen?«
»Ist bereits im Kühlfach und sollte eigentlich eine Überraschung sein.«
»Wie wäre es mit einem Tag Auszeit?«, fragte er scherzhaft.
»Ich spendiere dir einen Zwei-Tages-Trip in den nächsten Vergnügungspark.«
Er lachte auf, setzte die Fräse vor sich ins Eis. »Behalte die Urkunde, denn ich habe ein neues Ziel: First man without depression during an earth-out-of-sight-mission. Dafür lohnt es sich zu arbeiten.« Er schaltete die Eisfräse ein, die durch die dünne Marsatmosphäre trotz der Nähe nur wie das dumpfe Geräusch eines Generators klang, der hinter einer dicken Wand arbeitete.
Ebenso leise riss die Eisoberfläche auf. Splitter stoben in chaotischen Flugbahnen davon und flogen durch den de facto fehlenden Luftwiderstand viel weiter als auf der Erde.
Sarah lächelte still in sich hinein. Manche Dinge ließen sich mit Verständnis unkompliziert lösen. Sie selbst hatte eine eigene Art, sich zu motivieren.
Als sie in die »Das ist doch alles sinnlos!«-Phase gerutscht war, hatte sie den glatt gestrichenen Hundert-Dollar-Schein hervorgeholt, den ihr ein Studienkollege seinerzeit höhnisch grinsend ins Gesicht geworfen hatte. Der Schein erinnerte sie an das schlimmste Ereignis ihres Lebens – Jims klebrige Finger an ihrem Nacken, sein alkoholgetränkter Atemn an ihrem Hals, das reißende Geräusch, als er ihr Bluse und Rock vom Körper fetzte, sie auf die Couch warf, die Hose öffnete und über sie herfiel – und ließ sie die Demütigung und die Wut erneut durchleben. Doch gleichzeitig bäumte sie sich innerlich auf, vergegenwärtigte sich, dass ihr Selbstwert aus dem Inneren kam und nicht mit einer abartigen Tat eines anderen zusammenhing oder reduziert wurde.
Während sich viele Frauen in so einer irrsinnigen und unfassbaren Situation instinktiv zurückzogen und es über sich ergehen ließen, war sie in die Offensive gegangen.
Zuerst hatte sie ihm die Tischlampe auf den Kopf geknallt und ihm mit einer der Keramikscherben die Kehle angeritzt. Obwohl alles in ihr sein Blut als Wiedergutmachung gefordert hatte, war sie davor zurückgeschreckt. Selbstjustiz vertrug sich nicht mit ihrer liberalen Einstellung. In jedem Menschen steckte Gutes, und die gesellschaftlichen Normen standen über persönlichen Empfindungen.
Also hatte sie ihn vor Gericht gezerrt und er war verurteilt worden. Dennoch bedauerte ein Teil von ihr, ihn am Leben gelassen zu haben, denn er hätte für seine Tat den Tod verdient.
Der andere, größere Teil in ihr schämte sich für dieses archaische Gefühl und erinnerte sie daran, wodurch der Mensch sich vom Tier unterschied.
Sarah schüttelte diese Gedanken ab. Wichtig war, wie sie damals reagiert hatte und dass sie seither daraus Kraft schöpfte.
Niemand macht mich fertig! Kein Mann, kein Vorgesetzter, kein Weltraumflug zum Mars und garantiert kein zweijähriger Aufenthalt auf dem Roten Planeten!
Sarah schaltete ebenfalls ihre Eisfräse ein. Splitter und Sand wirbelten auf, nahmen ihr die Sicht. Mit einem Blinzeln aktivierte sie die Infrarot-Funktion ihres Helmes. Yannick stand immer noch zu nah an der Kante.
»Yannick, geh vom Rand weg!«
»Ich weiß, was ich tue.« Er legte die Fräse auf den Boden, hob provokant ein Bein über den Eisblock hinaus und klickte zu allem Überfluss das Sicherungsseil aus, das mit dem ins Eis geschlagenen Ankerpunkt verbunden war.
»Verdammt, Yannick!« Sarah richtete sich auf und schaltete dabei die Maschine aus. Ihre Geduld war aufgebraucht, schließlich verantwortete sie am Ende des Tages seine Taten vor Mission Control. Sie musste verstärkt die Kommandantin herauszukehren und ihn an die Hierarchie zu erinnern. »Yannick! Das ist ein Befehl!«
»Keine Zeit. Ich aktiviere die Schaufel.« Er tippte auf die Fernsteuerung an seinem Arm. Um die ausgefrästen Eisblöcke zu bewegen, hatten die Ingenieure auf der Erde eine »Vakuumschaufel« entwickelt, die am Kran des Rovers befestigt war. Es war eine Art Container, den man am Eisblock ansetzte und der mit künstlich erzeugtem Unterdruck den Block aus dem Eis in den Container zog. Nach der Extraktion verwandelte sich der Container durch die Thermo-Isolierung in eine Kühlkammer, die vom Kran auf die Ladefläche des Marsrovers gehievt wurde.
Yannick stieg nach hinten, wollte sich nur mit den vorderen Zacken der Steigeisen im Eis halten und ...
... verschwand aus Sarahs Blickfeld.
Sie zuckte zusammen. In ihrem Magen schien sich ein Loch zu öffnen. »Yannick!«
Ihr Ruf vermischte sich mit seinem Überraschungsschrei. Sie beugte sich über den Abgrund und sah trotz der Infrarotsicht das Licht seiner Helmlampe in der Dunkelheit verschwinden. In ihrem Kopfhörer hörte sie, wie er keuchte und fluchte.
Dieser Idiot!
Rasch lief sie ein paar Schritte zurück, griff nach der Bremsvorrichtung am Seil und sprintete los. Ihre einzige Chance, Yannick einzuholen und vor dem Aufprall zu retten, war eine höhere Anfangsgeschwindigkeit. Auf der Erde hätte sie keine Aussicht auf Erfolg gehabt, aber durch die zwei Drittel geringere Anziehungskraft des Mars im Vergleich zu ihrer Heimat konnte es gelingen.
Zusätzlich zu ihrer Geschwindigkeit stieß sie sich an der Kante in die Tiefe ab. Mit einem Blinzeln blendete sie im Flug Yannicks Vitalzeichen ein. Der Puls lag über einhundert, die Atmung ging rasch. Aus den Lautsprechern drangen Flüche.
Die Steilwand rauschte an ihr vorbei, während die Infrarotfunktion ihres Helms den Franzosen weit unter ihr erfasste.
Wie lang ist das Seil?, schoss ihr durch den Kopf, doch Yannicks panisches Keuchen behinderte ihr Erinnerungsvermögen.
Plötzlich versiegte seine hektische Atmung.

Leseprobe - Sechzig Minuten

»Welcome all you freaks around the world. Mein Name ist Jayden, und ich bin euer Host in der tödlichsten Live-Show seit den Gladiatorenkämpfen.«
Ich starrte in den Holokubus mit dem Moderator, während ich immer schneller mit dem Fuß tappte. Die enge Wartekammer, in die mich der Redaktionsassistent verfrachtet hatte, bot keine andere Möglichkeit, die Ungeduld und Ungewissheit abzureagieren. Ich wollte in den anderen Raum zu Jayden, wollte endlich wissen, was es mit dieser Show und der vertraglichen Todesklausel auf sich hatte.
Doch der Sender scherte sich nicht um meine Befindlichkeit. Statt die Kammer zu öffnen, zoomte man auf Großbild und zeigte Jayden in voller Pracht. Mit den gegelten Haaren, dem hellbraunen Teint und dem goldenen Interface an der Schläfe repräsentierte er den Großteil der Menschen der Freien Welt.
»Ich freue mich, dass mehr als vier Milliarden diesen historischen Moment erleben. Media Vision, die weltweite Nummer Eins des Entertainments, hievt euch in das Zeitalter der tabulosen Shows. Keine Grenzen, keine Moral, kein Gewissen und keine gesetzlichen Begrenzungen – also alles, was euch Freaks anturnt.«
Vor drei Tagen hatte ich den Vertrag für diesen »Meilenstein« der Showgeschichte unterschrieben. Drei Tage, in denen ich nicht wusste, wo ich mich befand, denn ich war sediert an einen unbekannten Ort gebracht worden. Drei Tage ohne Informationen über den Ablauf der Show und der Ungewissheit, ob die Todesklausel ernst gemeint war.
Meine Ungeduld - oder war es tatsächlich Anspannung? - verstärkte sich. Nein, ich hatte keine Angst vor dem Tod, hatte mich mit ihm durch die jahrelange Nähe arrangiert. Dennoch ärgerte es mich von Minute zu Minute mehr, dass ich ergebnislos im Dunkel herumstocherte. Ich brauchte ein Ziel, das ich verfolgen konnte.
Vergiss die Todesklausel, dachte ich. Hol dir die vier Millionen und rehabilitiere dich.
Mit dem Preisgeld würde ich die Lügen ausmerzen, die seit mehr als einem Jahrzehnt über mich kursierten. Die Welt hatte Liam Bishops wahre Geschichte verdient.
Jayden lenkte mich ab. Mit offenen Armen und warmherzigem Lächeln schritt er durch den Raum. Etwas an ihm war falsch, aber ich konnte nicht sagen, was mich an ihm störte.
»In der nächsten Stunde werden vier Kandidaten um das Preisgeld von vier Millionen kämpfen. Im Gegensatz zu euch ...« Jayden zwinkerte übertrieben deutlich in die Kameradrohnen. »... wissen sie nicht, was auf sie zukommt.«
Gott, diese Hinhaltetaktik nervte. Mein Fuß tappte noch schneller, während Jayden als Brustbild wiedergegeben wurde. Überdeutlich sah ich die Krähenfüßchen an den Augenwinkeln und das Interface an der Schläfe.
Automatisch strich ich über meines, wollte mich ins Netz einklinken, griff aber ins Leere.
Ich fluchte. Nach der Vertragsunterzeichnung hatte man meinen Minicomputer deaktiviert und die Verbindung zum globalen Cyberspace gekappt. Mühsam drängte ich die bedrückende Stille wieder in den Hintergrund.
»Eure erste Frage kann ich euch gern beantworten.« Jayden lächelte warmherzig. »Wer sind diese waghalsigen Teilnehmer, die sich der Todesshow stellen?« An der Wand hinter Jayden leuchteten vier Schiebetüren gelb auf. Er nickte, und die erste Tür öffnete sich – leider nicht meine.
Wäre der Minicomp angeschlossen gewesen, hätte er mir den Lebenslauf der Frau, die in den Raum trat, auf die Netzhaut projiziert. Doch ich kannte ihn ohnehin, denn in den letzten drei Tagen hatte ich die Lebensgeschichten meiner Kontrahenten samt Psychogramm mehrmals gelesen.
»Ich begrüße Dr. Ariana Garcia, die Gewinnerin der Fields-Medaille.«
Die blonde Frau sah sich um, kräuselte die Lippen und stellte sich neben Jayden, während ihre Blicke durch den Raum huschten, als wäre sie auf Speed.
Einmal Junkie, immer Junkie!
Das Hologramm wechselte und zeigte Ariana hinter dem Steuer ihres Wagens, in der Hand eine Wodkaflasche, die sie leerte und achtlos auf den Beifahrersitz warf. Sie kramte einen Behälter aus dem Handschuhfach, schüttete weißes Pulver auf den Handrücken und schniefte es – während sie viel zu schnell die Garageneinfahrt hochfuhr, ihre Patentochter übersah und sie gegen die Hauswand schleuderte. Die Szene im Holo blendete in ein Kinderzimmer über. Dort lag die kleine Sophie mit offenem Mund und stummen Augen.
Ich kannte den traurigen Rest. Ein Frontallappenimplantat hätte das Mädchen zum Leben erweckt, doch Arianas Versicherung verweigerte jede Zahlung. Das Preisgeld für die Fields-Medaille hatte Ariana bereits davor verkifft, und das Garantiehonorar für die Teilnahme an der Show von einer Million Dollar erleichterte nur die Pflege. Also musste sie wie alle anderen Teilnehmer aufs Ganze gehen, um sich das ganze Preisgeld zu holen.
Die nächste Tür öffnete sich.
»Professor Demjan Sokolow.« Jayden winkte ihn zu sich. Auch von dem Chicagoer Universitätsprofessor für Quantenphysik mit dem Vollbart und den zitternden Fingern präsentierte Jayden ein Hologramm. Mit der Spritze in der Hand trat Demjan darin zu seinem sechsjährigen Sohn.
»Was ist das, Papa?«, fragte Anatoly.
»Etwas das hilft.« Demjan zog ihm den Ärmel des Hemds hoch und injizierte ein hellblaues Mittel.
Demjan reagierte nicht, also bekam er das Hologramm nicht zu sehen, in dem sich der Junge nun auf dem Boden in einem epileptischen Anfall hin- und her wälzte. Das letzte Holo zeigte ihn in einem Gitterbett, mit flatternden Augenbewegungen und undefinierbaren Lauten.
Ich seufzte, denn Demjan hatte es gut gemeint. Mit dem illegalen Cocktail wollte er den »nur« durchschnittlichen Intelligenzquotienten seines Sohnes aufpeppen, doch das Schwarzmarktmittel hatte versagt. Nun blieben dem Sohn vier Monate Lebenszeit, da eine Therapie zu teuer war. Wie Ariana halfen ihm nur die vier Millionen.
Meine vier Millionen.
Als das Hologramm erlosch, blickte sich der Professor um und rückte die Brille zurecht. Er verzog die Augenbrauen, wirkte irritiert.
Verdammt, was erwartet mich in dem Raum?
Die dritte Teilnehmerin, Xiao Wang, verharrte mehrere Sekunden mit einem Pokerface in der offenen Tür, bevor sie langsam herauskam. Mich täuschte sie nicht durch ihre gespielte Kaltschnäuzigkeit, denn dank des Psychogramms kannte ich den Dämon, der in ihr lauerte und bereit war, jederzeit auszubrechen.
Die Spielsucht der Havard-Absolventin hatte die Firma ihrer Eltern in den Ruin getrieben und knapp neuntausend Angestellte arbeitslos zurückgelassen. Davor war sie in drei Entzugskliniken gescheitert. Die Mutter, ohnehin depressiv, weil ihre Tochter spielsüchtig statt geschäftstüchtig geworden war, hatte ihr Leben mit einem Whiskey-Tabletten-Mix beendet. Auch für den Vater war die Aufregung zu groß gewesen. Seit dem Schlaganfall während des Begräbnisses seiner Frau sabberte er die Wohnzimmercouch voll. Und am Ende hatte sich der Konkursrichter das restliche Familienvermögen gekrallt, und Xiao war auf einem Berg aus Schulden sitzen geblieben.
So wie bei mir fehlten allen dreien ebenfalls der Minicomp an der Schläfe. Ariana griff sich an das leere Interface und verzog die Lippen. Auch bei den anderen beiden zuckten die Hände ergebnislos zur Schläfe. Im Gegensatz zu mir waren meine drei Kontrahenten den Cyberspace seit der Geburt gewohnt. Rund um die Uhr gab es die volle Dröhnung aus Information, Unterhaltung, Interaktionen, Likes und Vernetzung. Unablässig blitzten Fotos oder Videos von Freunden auf der Netzhaut auf, während davor und danach Werbenachrichten ans Ohr drangen. Nicht die Sonne war der Mittelpunkt des Kosmos, vielmehr drehte sich das Universum um jeden einzelnen Menschen.
Prompt tippte sich der Professor an die Schläfe und hielt inne. Drei Tage waren zu kurz, um sich an die schmerzhafte Stille und das Gefühl der Bedeutungslosigkeit zu gewöhnen. Ich hingegen hatte unfreiwillig Übung damit, hatte dreizehn Jahre täglich mit nur einer Stunde Cyberspace-Zeit auskommen müssen.
»Und als letzten Kandidaten ...« Jayden drehte sich zu meiner Tür. »… begrüße ich mit Liam Bishop einen amerikanischen Helden, dessen Absturz so spektakulär war wie sein vorheriger Höhenflug.«
Mit angehaltenem Atem trat ich durch die Tür und blickte mich um.
Wollt ihr mich verarschen?

Leseprobe - Das Update

Dexter Quinn gähnte und streckte den Rücken durch. Siebzehn Stunden im Gaming-Sessel waren eindeutig zu lang für seine Muskulatur. Ächzend sank er wieder zurück und blickte sehnsüchtig über den Rand des Monitors zur Kaffeemaschine auf der anderen Seite des Großraumbüros. Doch um halb drei Uhr morgens war keiner seiner Mitarbeiter mehr da, der ihm netterweise den Star Wars-Becher mit dem schwarzen Muntermacher angefüllt hätte.
Ganz einsam war er nicht, denn das Summen der Server im Raum in seinem Rücken leistete ihm schon seit Stunden Gesellschaft. Und natürlich die obligatorische Klimaanlage, der es mit Leichtigkeit gelang, die Temperatur im Inneren des Büros an das verregnete London anzupassen.
Dexter seufzte. Statt aufzustehen, wandte er sich wieder dem Git-Repository-Branch zu, um die Änderungen im Commit-Log zu überprüfen. Doch ehrlicherweise prüfte er gar nichts mehr, sondern überflog die Bugs mit den dazugehörigen Code-Änderungen nur noch, die im Abschlusstest ausgeworfen und korrigiert worden waren. Ab einem gewissen Punkt musste man sich auf die von seinem Team erstellten Kontroll- und Änderungsprogramme verlassen.
Scheiß Termindruck, dachte er und rieb sich die Augen. Die unerwartete Leistenbruch-Operation seines Stellvertreters hatte den Zeitrahmen für den Code-Review des neuesten Security-Updates zusätzlich verschärft. Und mit seinem All-In-Vertrag als Lead Security Engineer konnte er auch nicht auf die Einhaltung der normalen Arbeitszeiten pochen.
Unabhängig davon hätte ihn sein Verantwortungsbewusstsein an die Arbeit getrieben. Rund um den Erdball erwarteten die Kunden in knapp dreiundzwanzig Stunden das monatliche Update, und seien es nur Bugfixes oder minimale Sicherheitsverbesserungen.
Dexter gähnte erneut. Sollte er darauf pfeifen und für heute Schluss machen?
Nach einem Blick auf die Uhr in der Ecke des Bildschirms entschied er sich, die Stunde vollzumachen. Also noch dreizehn Minuten.
Er setzte seine Kontrolle wieder fort – bis er in den Fehlermeldungen auf ungewöhnliche Zeilen stieß. Mit gerunzelter Stirn las er sie ein zweites Mal.
if (systemIntegrityCheck() == false) {
executeFallbackProtocol();
}
Was zur Hölle waren das für neue Codezeilen? Und welcher Idiot hatte sie eingefügt?

Leseprobe - Wahre Freiheit

2046
Mondkolonie

»Noch eine Minute bis zum Live-Stream!«
Florian Pichler nickte, schrieb noch schnell die letzte Quantengleichung in sein Arbeitshologramm, speicherte die Datei ab und drehte sich zu der vor ihm schwebenden Kameraoptik. Blaue Hologramm-Ziffern zählten die Zeit bis zum virtuell geführten Interview hinunter.
Noch fünfzig Sekunden.
Florian nutzte die Zeit und griff nach dem Glas mit dem Orangensaft auf dem Schreibtisch. Er spülte den Mund aus und räusperte sich, während er den Weg eines Mondmobils verfolgte, das sich dem Wall des Shackleton-Kraters näherte. Vermutlich waren es zwei Techniker, die ausgerückt waren, um die Photovoltaik-Anlage zu kontrollieren. Obwohl die Sonne diesen Teil des Mondes fast neunzig Prozent des Jahres mit ihren Strahlen überflutete, zeigte das Thermometer eine Temperatur von minus fünfzig Grad Celsius.
Im Gegensatz zu den Wänden lag der Boden des Kraters seit Milliarden von Jahren im Schatten und versorgte die Station mit Tonnen des dortigen Wassereises. Zusätzlich verwendeten die Mondkolonisten den Mondstaub als Baumaterial für Schutzhüllen, um die Siedlung vor Mikrometeoriten und kosmischer Strahlung zu schützen.
Noch dreißig Sekunden.
Florian sah zum Horizont, über dem die Erde eingeklemmt zwischen zwei zerklüfteten Gebirgsmassiven, nach fast achtundzwanzig Tagen wieder »aufging«. Der Blaue Planet stand normalerweise fast unbeweglich an derselben Stelle des Alls. Doch hier am Südpol verlief die Grenze zwischen der sichtbaren Vorderseite und der Rückseite des Mondes. Durch minimale Schwankungen der Mondbahn »wackelte« die Erde ganz langsam am Horizont. Innerhalb von siebenundzwanzig Tagen bewegte sie sich leicht nach oben, ein Stück zur Seite und wieder zurück – zumindest von seinem Penthouse aus. Wäre der Wohnturm an anderer Stelle der Kolonie errichtet worden, würde die Erde für knapp zwei Wochen unter dem Horizont verschwinden, um für die nächsten zwei Wochen wieder aufzutauchen.
Noch zehn Sekunden.
Florian räusperte sich ein weiteres Mal, lockerte dabei seine Halsmuskeln und sah erneut zur Erde, auf der sein Interviewpartner saß. Selbst hier vom Mond erkannte er die hauchdünne, leuchtende Linie der Atmosphäre und natürlich die strahlend weißen Wolkenwirbel über dem Pazifik. Am faszinierendsten fand er die Eigenrotation seines Heimatplaneten. Gerade verschwand die Küstenlinie Neuseelands und die tiefblaue Weite des Ozeans rückte nach.
Ein kostbares Juwel in der Stille des Vakuums, dachte er ergriffen.
»Online in drei. Zwei. Eins!«
Während die Stimme des Quanten-Assistenz-Systems seines Penthouses versiegte, setzte Florian sein professionelles Interviewlächeln auf. Nun befand er sich gemeinsam im virtuellen Raum mit Hanjo Freese, einem der erfolgreichsten Influencer der Welt.
»Connection established. Willkommen im Nexus«, begann Hanjo seinen täglichen Stream.
Florian Pichler verdrehte innerlich die Augen. Welcher Teufel hatte die Glücksfee geritten, als sie diesen Grünschnabel als Gewinner für ein Interview mit ihm auserkoren hatte?
»Eure Engagement-Raen sprengen gerade mein Dashboard.« Hanjo lächelte. »Wahnsinn, wie viele Nodes gerade verbunden sind!«
Florian vermutete, dass der Junge einfach nur die Worte des Quanten-KI-gesteuerten Assistenzsystems nachplapperte, das er über den Ohrhörer vernahm. Im Gegensatz zu den Zusehern sah er den Influencer mit den gelbpinken Haaren live und nicht wie die Follower im Echtzeit-Edit der KI. Der Pickel auf der Stirn war für die Zuseher wegretuschiert und die Stimme viel tiefer. Auch seine zappelige Art – er drehte ständig die Hüfte und damit den Sessel – wurde vom Quantencomputer korrigiert.
»Bereits neunhundert Millionen live. Krass!« Hanjo wandte sich wieder ihm zu. Durch das Fenster seines Arbeitszimmers strömte die Mittagssonne Hamburgs herein.
»Today initialisieren wir einen Deep Dive mit dem coolsten Game Changer seit Schrödingers Katze. Dieser Mann hat die Matrix nicht nur gelesen, er hat sie komplett neu geschrieben.«
Florian stöhnte innerlich. Der Junge hatte weder Ahnung von Geschichte noch von den wirklichen Meilensteinen der Quantenphysik. Zum Glück war sein Sohn Jochen ein anderes intellektuelles Kaliber. Er war sicher wieder am Flugplatz bei seinen Fallschirmen.
»Also friends! Pusht die Emojis in die Stratosphäre. Bei mir ist Dr. Qubit. Der Mann, der die Menschheit zweimal gelevelt hat.«
Florian verkniff sich erneut ein gequältes Lächeln. Diesen Spitznamen wurde er einfach nicht los – trotz all des Geldes, seines weltweiten Einflusses und seiner Macht.
»Also, literally Dr. Florian Pichler direct in front of my Mic!«
Die ersten Emojis blinkten auf und verdrängten das visuelle Overlay der Emotionserkennung für Gehörlose und die eingeblendete simultane Live-Transkription, die dank des Quantencomputers im Hintergrund sogar Ironie und Betonung enthielt. Aber das war längst ein alter Hut, wie man früher gesagt hatte, und verleitete niemand mehr zu euphorischen Jubelausbrüchen.
Ebenfalls Standard war die Simultanübersetzung in alle Sprachen der Welt samt kultureller Feinabstimmung. Sie war vor vierzehn Jahren eines der ersten Einsatzgebiete des Orakels gewesen, wie der Volksmund den Quantencomputer nannte.
Mit einer Handbewegung wischte Hanjo über die Lichtsensoren und ließ so die Jubel-Emojis verschwinden. Es war schwer, zu sagen, ob er das aus freien Stücken tat oder ob es ihm der Quanten-Algorithmus geraten hatte, der quasi nebenbei alle Reaktionen, Likes und Emojis analysierte und Schlussfolgerungen in Echtzeit zog. Vermutlich hatte der Junge auch fast alles ausgelagert und automatisiert. Dank der Schnelligkeit des Quantencomputers kam es für das menschliche Auge zu nicht mehr wahrnehmbaren zeitlichen Verzögerungen.
»Also Doktor, spulen wir die Timeline zurück. Timestamp … 17. März 2027. True?«
Gott, diese nachdenkliche Pause und dann die angebliche Erinnerung an das historische Datum nahm ihm doch keiner ab. Die Emojis, die erneut über den Screen liefen, belehrten Florian eines Besseren. Die Frage war, wie viele User selbst agierten oder die »Arbeit« von ihrem Quantencomputer erledigen ließen.
Florian räusperte sich. »Zuerst gratuliere ich dir zu deinem Gewinn, Hanjo.« Er konnte sich nicht verkneifen, die Welt daran zu erinnern, dass der Junge nicht aufgrund seiner Qualifikationen, sondern aufgrund eines Zufallsgewinns dieses Interview führte. »Und ja, mit dem 17. März liegst du richtig.«
»Knackt!«, erhielt er als Antwort und fragte sich, woher diese Kids ihre Ausdrücke nahmen. »Wie war dein mood damals?«
»Damals?« Florian lachte. »An manchen Tagen frage ich mich heute noch, ob das wirklich passiert ist.« Er verzog die Lippen. »Und ich meine nicht den weltweiten Applaus und die Durchbrüche bei vielen tödlichen Krankheiten und auch nicht den Nobelpreis.« Er schüttelte den Kopf. »Nein, ich meine diesen einen Moment um 2:17 Uhr nachts. Draußen fiel nach acht Jahren wieder Schnee in Linz, während mich im Labor das warme Deckenlicht fast einnicken ließ. Ich nahm einen Schluck aus der Kaffeetasse und zuckte zurück, weil er kalt war. Auf Spotify lief das legendäre Metallica-Konzert von 1991 am Tushino Airfield und Lars Ulrich leitete mit den Drums den Song Creeping Death ein, während ich das xte Experiment startete. Also Business as usual, wie wir früher gesagt haben.«
Der Quantencomputer übersetzte seinen altmodischen Ausdruck doch tatsächlich mit Same shit, anderer Tag.
»Und plötzlich war sie da: die erste stabile, skalierbare Qubit-Verschränkung. Und auch noch fehlerkorrigiert.«
»Gänsehaut-Level 3001«, kommentierte Hanjo.
»Genau«, antwortete Florian reflexartig. »Normalerweise wäre ein Kollege dabei gewesen, aber der war wegen Durchfall krankgeschrieben.«
»Echt weird.« Hanjo lachte. »Und was war dein spontaner Brainflash?«
Florian runzelte die Stirn und übersetzte das in seine Welt. Um Zeit zu gewinnen, nahm er einen Schluck vom Orangensaft. »Eigentlich hätte ich aufspringen und die Faust gegen Himmel recken sollen, doch ich war wie erstarrt und hörte nur ein Flüstern im Kopf: Du hast es geschafft. Du hast es wirklich geschafft.« Florian sprach nicht weiter, obwohl er noch viel zu sagen gehabt hätte. Damals hatte er nicht verstanden, welche Risiken er neben all den Chancen auch freigesetzt hatte. Leider war die Technologie viel weiter als der moralische Kompass der Menschen. Doch seine Ernüchterung würde er offiziell niemals zugeben. Außerdem war er immer noch überzeugt, dass die Mehrheit der Menschen einen Nutzen aus dem neuen Leben zog.
»Doc, es gibt da einen Loop im Netz: Der Master-Algorithmus kam gar nicht aus deinem Bewusstsein. Fake oder Fake-Pattern.
Konnte dieses Milchgesicht eigentlich einen Satz in normaler deutscher Sprache formulieren?
»Ich habe den Algorithmus mit der KI erlernt und sozusagen meine eigenen Gedanken trainiert.«
»Voll krass!«
»In der Tat. Und ich habe den Quantenprozessor darauf trainiert, unsere natürliche Unschärfe als Vorteil zu nutzen statt als Hindernis.«
»Also quasi kein CPU-Overclocking, sondern du hast die Architektur des Denkens neu gerendert?«
Das hat dir die KI eingeflüstert, gell?
Florian sprach den Gedanken nicht laut aus, sondern nickte einfach. Erneut verschwieg er die Zweifel, die im Laufe der Jahre in ihm gewachsen waren. Nach seiner Erfindung war eine Welt entstanden, die nur wenige Menschen verstanden, aber alle nutzten. Der Quantencomputer … das Orakel war rasch zum Best Buddy avanciert.
»Komplett neuen Denkmodus fahren«, bestätigte er schließlich.
»So viel zu deinem ersten Serve«, resümierte Hanjo. »Let’s go zum echten Brett, Leute.«

Leseprobe - Deutschland 2033

Berlin
Radschab 1486 nach der Hidschra
(Oktober 2063)

»Berlin, Berlin, Berlin!« Die aufgekratzte Stimme des Blindspot-Casters dröhnte durch die gepanzerte Limousine. »Heute beginnen die Koalitionsverhandlungen zwischen der rechtsextremen Partei für Deutschlands Zukunft und der Islamischen Union Deutschlands, die bei den Bundestagswahlen vor drei Wochen gemeinsam sechsundsiebzig Prozent erreicht haben. Seit Bekanntgabe der Verhandlungen demonstrieren allein in der Hauptstadt an die fünfhunderttausend Menschen täglich und überlasten damit die biometrischen Sperren. Die Polizeidrohnen ...«
»Yusuf, das genügt als Stimmungsbild«, sagte Muḥibb Al-Hamadi, während die Limousine die letzten Meter auf den Parkplatz vor dem Bundestagsgebäude rollte. »Das genügt als Stimmungsbild.«
Die Limousine war eines der wenigen Autos, die unabhängig von der Verkehrszentrale gesteuert wurden. Für Al-Hamadi war es undenkbar, sich einer Maschine auszuliefern und sich damit der Technik statt Allah zu unterwerfen. Schließlich bewertete der Algorithmus das Leben eines sündigen Atheisten genauso wie das eines Gläubigen.
Das gedämpfte Motorengeräusch erstarb genauso wie die Stimme aus den Lautsprechern. Ein Rest der Motorenvibration ließ das Leder leise knirschen, dann herrschte vollkommene Stille.
Al-Hamadi genoss die Geräuschlosigkeit und lehnte sich im weichen Ledersitz zurück. Er blickte durch das Fenster zu dem Gebäude, das die menschliche Anmaßung in Deutschland seit Jahrzehnten repräsentierte.
Einunddreißigkommaacht Prozent, dachte er.
Eine Zahl, die sein Spitzenkandidat allein durch Allahs unumstößlichen Willen erreicht hatte. Genauso wie er mit den jahrelangen Vorbereitungen nur den Plan des Allmächtigen umsetzte. Letztendlich hatten sie es geschafft, den trennenden Nationalstolz der Moslems zugunsten der einen wahren Umma, der weltweiten Gemeinschaft aller Muslime, zurückzudrängen und die wahrhaft Gläubigen zu den Wahlurnen zu bringen.
»Alhamdulillah. O Allah, Dir gebührt alles Lob«, murmelte er. Dass sein Wahlerfolg in einem Jahr erfolgt war, in dem zweimal der Ramadan stattfand, war nur eine weitere Bestätigung für den göttlichen Plan, dem er seit seiner Geburt folgte.
Im milchigen Vormittagslicht des viel zu warmen Radschab glitzerte die Kuppel des Bundestags. Das Gebäude war ein Sinnbild für die Heuchelei, ein Tempel des Taghut… ein Götze, in dem sich Ungläubige anmaßten, Gesetze zu verfassen. Etwas, das einzig und allein dem Schöpfer zustand. Schon allein dafür würde Al-Hamadi dieses Symbol der Blasphemie niederreißen und zu Grabe tragen.
Langsam fuhr er über einige der dreiunddreißig Perlen seines Tasbih und murmelte »Subhanallah«, bis sich seine Aufregung legte. Seine übliche innere Ruhe und Achtsamkeit kehrten zurück.
Und so roch er den Geruch nach Politur und frischem, kühlen Leder, das einen angenehmen Kontrast zur aufsteigenden Hitze in seiner Brust bildete.
Nein, er fühlte keinen Triumph oder gar Stolz, denn so ein Gefühl gehörte zum Hochmut und das überließ er dem Parteivorsitzenden der PDZ.
Er war ob des Ergebnisses nur erfüllt von Dankbarkeit gegenüber Allah, dass er ihn ausgewählt hatte, um die religiöse Pflicht zu erfüllen. Sein göttlicher Plan hatte sich über Jahrzehnte entfaltet. Noch vor fünf Jahren hatten ihn alle ausgelacht, hatten ihm erklärt, dass eine eigene islamische Partei nicht funktionieren würde. Von »Du spinnst« bis »Allah hat dich verlassen« hatte er sich alles anhören müssen. Sogar einer seiner engsten Vertrauten war überzeugt, dass die göttliche Wahrheit sich nicht in den Hallen des Westens behaupten könne.
Doch im Gegensatz zu den Zweiflern hatte er auf Allah vertraut, so wie er immer auf ihn vertraute. Und der Allmächtige hatte mit dem Ergebnis Türen gesprengt und ihn und seine Anhänger sogar zu Koalitionsverhandlungen geführt, die Deutschland umkrempeln und endlich der einzig wahren Ordnung unterwerfen würden.
Der Gedanke elektrisierte ihn und erfüllte ihn mit tiefer Demut. Obwohl ihm die Partei für Deutschlands Zukunft und ihr rechtsextremes Gedankengut zutiefst zuwider waren – Kuffar bleibt Kuffar! –, hatte Allah ihn auserwählt, um dieses Bündnis als Darura, als absolute theologische Notwendigkeit, zu ermöglichen. Und dabei nahm er Anleihe am Propheten selbst, der im Jahr Sechs nach der Auswanderung von Mekka nach Medina mit den Polytheisten den »Friedensvertrag« von Hudaibiyya schloss. Wie sie glaubten auch die Ungläubigen der PDZ, ihn vor ihren Karren spannen zu können, und ahnten nicht, dass sie längst Teil eines unausweichlichen göttlichen Plans waren.
Dieses Gefühl hatte sich im Grundsatzgespräch zwischen dem Parteivorsitzenden der PDZ und ihm bestätigt. Obwohl ihre Ideen sich im ersten Moment von seinen unterschieden, gab es bei genauerer Betrachtung taktische Schwächen und Schnittmengen, die er nutzen konnte.
»Onkel!« Sein Neffe, den er als Chauffeur ausgewählt hatte, deutete nach draußen zu den Reportern mit den Kameradrohnen. »Keiner von denen glaubt an die Koalition.«
»Wen kümmert es?« Letztendlich dienten die Journalisten auch nur jenen Versuchungen, die diese haltlose Gesellschaft prägten. Ihre Gesichter waren entweder übertrieben freundlich oder feindselig. Da sie den göttlichen Funken in ihm nicht sahen, hatten sie ihn mehr als einmal als Radikalislamist verteufelt.
Einzig die zahlreichen gläubigen Journalisten aus den islamischen Ländern waren auf seiner Seite. Dort erkannte man den Sieg der IUD als das, was es war: das lang ersehnte Erwachen der europäischen Umma. Und man sah es als positiv absolvierten Testlauf für die restliche EU.
»Yusuf, vertraue auf Allah, selbst wenn sein Plan lang dauert.« Er räusperte sich. »Zuerst kamen die Gastarbeiter aus der Türkei und aus Ex-Jugoslawien, dann die Kriegsvertriebenen aus dem Nahen Osten und schließlich acht Millionen Klimaflüchtlinge.«
»Die von einer links-grünen Regierungskoalition nach drei Jahren mit der deutschen Staatsbürgerschaft beschenkt wurden.«
Yusuf kannte es aus den Geschichtsdateien, aber er war damals dabei gewesen. »Weil sie naiv waren und dachten, die neuen Deutschen füllen die Überalterungslücke am Arbeitsmarkt.« Er schüttelte den Kopf. »Und vermutlich glaubten sie an neue Wähler aus reiner Dankbarkeit. Doch es kam genau anders rum. Die deutschen Stammwähler sterben langsam aus, während sich unsere Brüder an die Empfehlung des Propheten hielten: Heiratet die Liebenden und Fruchtbaren, denn ich werde am Tag der Auferstehung stolz auf eure große Zahl sein.«
Zusätzlich half die Wahlarithmetik bei einer zweiundfünfzigprozentigen Wahlbeteiligung jenen Parteien, die einen hohen Prozentsatz an Wählern mobilisieren konnte.
Er sah Yusuf über den Rückspiegel in die Augen. »Dass wir heute an diesem Punkt angelangt sind, ist einzig und allein Allahs Wille, den wir umsetzen.«
»Hast du gehört? Gestern haben unsere Brüder nach deinem Vorbild auch in Belgien eine islamische Partei gegründet. Damit sind wir in zwölf Ländern der EU vertreten.«
Er nickte.
Ja, mittlerweile war er ein Vorbild. Im Wahlkampf war er noch im Hintergrund geblieben, doch nun war er in die Öffentlichkeit gerückt und jeder seiner Sätze und Blicke hatte Bedeutung.
So, wie Allah es für mich vorgesehen hat, dachte er.
Erneut betrachtete er das Gebäude, in dem er das Fundament des Götzendienstes einreißen und die Gesellschaft Deutschlands umschreiben würde – obwohl alle westlichen Kommentatoren das Gegenteil herbeireden wollten. Eine Allianz zwischen der PDZ und einer islamischen Partei sei unmöglich, so der Tenor.
Doch so lange er denken konnte, vertraute er auf die göttliche Wahrheit des Korans. Der Allmächtige hatte ihn nicht auf den Weg des Erfolgs geführt, um ihn am Ende scheitern zu lassen.
Ein Schatten erschien vor der Limousinen-Tür und die Hand eines Personenschützers klopfte auffordernd gegen das Fenster.
Al-Hamadi nickte. Er kontrollierte den Sitz seines Bisht, den er über der Jubba trug, strich über die Goldborte und prüfte den Gesichtsausdruck im schwachen Spiegelbild der getönten Scheibe. Selbstbewusst, aber nicht überheblich. Entschlossen, aber nicht unnahbar.
Fünf Jahre hatte er an der Mimik gefeilt und sie perfektioniert, denn er hatte die Aufgabe gefühlt, die Allah für ihn bereithielt.
Doch dieses Äußere war nur der Ausdruck seiner Niyya, seiner inneren Absicht. Seine Handlungen setzte er nicht für sich oder für irdischen Ruhm. Alles geschah für den Erhabenen.
Er warf einen letzten Blick zum Tempel der Ungläubigen.
Ich werde dich in seinem Namen zertrümmern!
Mit diesem erhabenen Gedanken drückte er die Tür auf und ging in den Chor der Reporterfragen.

Leseprobe - Der Sündenfall

Wo sind die Hacker, wenn man sie braucht?
Ungeduldig trommelte Nayan Kobayashi auf den Schreibtisch und wartete auf einen Nerd, der dachte, schlauer zu sein als er. Als Cyber-Security Chief Officer von TT, der größten und daher auch am besten abgesicherten Firma der Welt, war er der natürliche Sparringpartner jedes Cyberfreaks.
Mess with the best, die like the rest!, zitierte er aus einem mehr als siebzig Jahre alten Film.
Seine Blicke huschten durch das mehrfarbige Hologramm, das seinen Kopf halbkreisförmig umschloss. Dreidimensionale Diagramme und Skalen pendelten im grünen Bereich, zeigten, dass das neue optimierte Real-Time-Intrusion Detection System mit der Firewall verschmolzen war und perfekt arbeitete. Doch trotz der unzähligen internen Tests wünschte er sich endlich einen Echtangriff.
Alles eine Frage der Zeit!, beruhigte er sich in Gedanken. Immerhin stürmten pro Tag jede Menge Hacker gegen das System von TT an. Es konnte also nicht mehr lang dauern.
Er stoppte die trommelnden Finger, nahm einen Kaugummi und biss zu. Kiwi-Geschmack umspülte seine Zunge, während er den Aufstieg des Augenfleck-Kugelfisches zur Wasseroberfläche des Aquariums verfolgte, das dem Schreibtisch gegenüberstand. Durch das vielfarbige Hologramm hatte der an sich gelbschwarz gezeichnete Fisch einen leichten Blaustich. Als dem Fisch noch eine Handbreit bis nach oben fehlte, überlagerten ihn rote Balken.
Der Intruder-Alarm!
Sofort begann das auf der Lauer liegende IT-Team mit der Suche nach dem Standort des Hackers. Sofern er sich in ihrem Heimatbezirk rund um Singapur aufhielt, würden sie ihn der Polizei übergeben. Falls nicht, würden sie »nur« sein Equipment zerstören.
Er rieb sich die Hände. Das von ihm und seinem besten Kumpel und Mitarbeiter Akeno verbesserte Programm hatte den Eindringling eine volle Minute früher als die Vorgängerversion erkannt. Schade, dass Akeno mal wieder seit zwei Tagen wie vom Erdboden verschluckt war. Wie oft hatte er ihm schon in den Ohren gelegen, dass er endlich Verantwortung übernehmen sollte statt tagelang abzutauchen?
Schließlich erhielt er sein Gehalt nicht für unentschuldigtes Fehlen.
Nayan seufzte und tippte gegen das goldfarbene Schläfen-Interface. Schlagartig schwebte er im Taucheranzug über einem sandigen Meeresboden, vor ihm ein halbkugelförmiges Korallenriff, das von stachelförmigen Wasserbomben geschützt wurde – seine Vorstellung der Programmarchitektur. Eine rostrote Linie, die den Weg des Hackers zeigte, verlief im Zick-zack an den Bomben vorbei und führte direkt ins labyrinthartige Riff.
»Respekt, Respekt.«
Der Nerd hatte keine einzige Bombe ausgelöst. Andererseits hatte er übersehen, dass das Korallenriff ein High-Interaction-Honeypot war. Es gaukelte den Angreifern vor, das eigentliche System zu sein und lockte sie damit in die Falle.
Eine Unmenge an Wegen führte in das Korallenriff hinein und hinaus. In vielen dieser Gänge schwammen Haie, Wasserschlangen und Zitteraale, alles Programme, die gegen Eindringlinge vorgingen. Nun duellierten sie sich zum Schein mit dem Angreifer, um ihn so lang wie möglich in dem falschen System zu halten, damit sie seinen Standort lokalisieren konnten.
Nayan zoomte das Ende der rostroten Linie heran. Der Hacker verwendete eine Schildkröte als Avatar, auf deren knochigem Rücken ein Spruch von Marc Aurel prangte: Der Schein ist ein gefährlicher Betrüger.
Er schmunzelte. Der Hacker wäre nach Akenos Geschmack gewesen. Auch er zitierte bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit einen historischen Spruch aus dem alten Rom.
Ein rotes Infolicht begann in seiner Taucherbrille zu blinken. Sofort verwandelte er den Neoprenanzug in einen Trockentauchanzug, um frei reden zu können. Dass seine Lebensgefährtin ihn auf der Notfallfrequenz mitten im Einsatz anrief, verhieß Probleme.
Prompt poppte ein Hologramm auf. Seine Partnerin Alisa Kwan, die Chefin der Cyberkriminalitätsabteilung der Polizei von Singapur, war normalerweise eine Frohnatur. Doch diesmal lächelte sie nicht. Deutlich sah er die Trauer und das Entsetzen in ihren Augen.
»Akeno ist tot«, sagte Alisa ohne Begrüßung.
»Was?« Eine unbeschreibliche Kälte erfasste ihn. »Wie?«
»Hypoxyphilie.«
Er brauchte einige Sekunden, um den Begriff zu übersetzen. »Ein … ein autoerotischer Unfall?«
Sie nickte. »Hals, Gürtel, Türschnalle.«
Rasch verdrängte er das Bild, das sich ihm aufdrängte. Dreißig Jahre waren Akeno und er Kumpels, aber ihre sexuellen Vorlieben hatten sie nie thematisiert. Schließlich musste man nicht alles voneinander wissen.
Dennoch konnte er es nicht glauben. Ja, Akeno war abgedreht, aber das?
»Ich bin …« Er stutzte.
Der Hacker war aus dem Korallenriff verschwunden.
Nayan wurde heiß. Seine Kollegen schmissen die Nerven und schickten hektische Nachrichten.
»Wir reden später!« Gedanklich fluchend unterbrach er die Verbindung. Mühsam verdrängte er den Schmerz samt Fassungslosigkeit. Durch das Verschwinden des Nerds war aus dem vermuteten lockeren Spaziergang soeben eine schweißtreibende Bergtour geworden, für die er seine volle Konzentration und Expertise brauchte.

Als Kommandantin der ersten Marsmission hat Sarah Dearing nur ein Ziel: gemeinsam mit ihrer internationalen Crew den roten Planeten für die Kolonisten vorzubereiten. Ein Teil der Habitate steht bereits, das Team funktioniert, alles läuft nach Plan – bis eine ungeahnte Katastrophe ihre Welt auf den Kopf stellt. Denn während die Erde am Abgrund steht, werden die isolierten Astronauten auf dem Mars zur letzten Hoffnung der Menschheit ...

Einst war Liam Bishop ein globaler Held, doch heute ist er für alle nur noch ein verurteilter Mörder, der vergebens auf seine Unschuld pocht. Um seinen Namen reinzuwaschen, unterschreibt er für eine neue Reality-Show sogar eine Todesklausel im Vertrag. Erst im Spotlight des Studios erfährt er die Wahrheit hinter dieser Klausel ...

So hatte sich Dexter Quinn seinen Abend nicht vorgestellt: Statt bei einem Glas Rotwein auf der Couch zu entspannen, saß er um zwei Uhr nachts noch immer im Büro und überprüfte den Code des neuesten Updates. Als er eine Stunde später ein Programmfragment entdeckt, das keine User-Kennung besitzt und sich eigenständig umschreibt, verwandelt sich die Nacht in einen Albtraum.

Florian Pichler, der Schöpfer des Quantencomputers, hat wahrlich Besseres zu tun, als sich anlässlich des 20-jährigen-Jubiläums von einem vorlauten Teenie-Influencer löchern zu lassen. Doch als der Junge beginnt, ausgerechnet jene Freiheit infrage zu stellen, die Pichler der Welt geschenkt hat, will Pichler das Interview bereits abbrechen – bis der Influencer eine Überraschung parat hat, die Pichlers Lebenswerk infrage stellt...

Muhibb Al-Hamadis Gebete wurden erhört. Nur sechs Jahre nach ihrer Gründung holt die Islamische Union Deutschlands bei der Bundestagswahl 2063 fast 32 Prozent der Stimmen. Die Macht ist greifbar nah – Al-Hamadi muss lediglich eine Koalition schmieden. Sein einzig möglicher Partner ist mit der Partei für Deutschlands Zukunft ausgerechnet jene ultra-nationalistische Kraft, die am weitesten von seiner Vision eines neuen Deutschlands entfernt ist. Doch hinter verschlossenen Türen offenbart sich, dass beide Seiten ein Ziel eint: Das Ende der Freiheit.

Nayan Kobayashi, Cyber Security Chief des mächtigsten Konzerns der Welt, legt für seinen Boss die Hand ins Feuer – bis er auf illegale Machenschaften in der Firma stößt und kurz darauf sein bester Kumpel spurlos verschwindet. Schon bald merkt Kobayashi, dass nicht nur sein eigenes Leben auf dem Spiel steht, sondern auch das Schicksal der Menschheit ...

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